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Fokus „Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft"(Anglistik, Amerikanistik, Romanistik)

Die Analyse von Kategorien und Beschreibungsmustern, die in Sprachen und Kulturen sowie literarischen und künstlerischen Ausdrucksformen für eine sich globalisierende Welt entstehen, hat gerade begonnen. Bisherige Untersuchungen verknüpfen Fragen des Postkolonialismus und des Multikulturalismus häufig nicht konsequent mit Globalität sowie mit deren Entwicklung und Auswirkungen. Kulturen erscheinen hier häufig wie Sphären oder Inseln, die sich zwar begegnen können, deren vorgängige Stabilität, interne Homogenität und externe Demarkation aber wenigstens implizit angenommen wird.

Im Schwerpunkt Literatur-, Sprach- und Kulturwissenschaft sollen Globalisierungsprozesse und Weltverhältnisse unter dem Blickwinkel von Repräsentation und Konstruktion betrachtet werden. Die Analysen schließen transkulturelle und neokoloniale Austauschprozesse ein, widmen sich diesen Prozessen und den dabei entstehenden Identitäten jedoch mit einem besonderen Fokus auf jene globalen Weltentwürfe, in denen homogenisierende Konzepte von Nation, Identität und Kultur hinterfragt werden. Literatur, Sprache und kulturelle Repräsentationen werden daher nicht als Darstellung sozio-historischer, politischer oder ökonomischer Prozesse verstanden, sondern als welterschließende Ausdrucksformen, die immer auch Welten konstruieren. Der doppelte Blickwinkel ist hierbei entscheidend: Wir haben es immer mit „Welten in einer Welt" (Nassehi) zu tun, so dass sowohl je spezifische Weltentwürfe wie auch Darstellungen von globalen Prozessen, Elementen, Orten und Menschen in globalisierten Verhältnissen zu untersuchen sind. „Welt(en)" und „Globus" werden auch theoretisch zueinander in Beziehung gesetzt. Dies gilt für interne (die Familie, das Selbst, die eigene Biographie) wie externe Austauschprozesse (zwischen Gruppen, z.B. von race, class und gender) und ihre literarische wie kulturelle Repräsentation, denn in einer Weltgesellschaft sind Unterschiede nicht mehr nur außerhalb der eigenen Welt zu finden: „Weltgesellschaft meint: Was die Menschen scheidet - religiöse, kulturelle und politische Unterschiede -, ist an einem Ort, in einer Stadt, immer öfter sogar in einer Familie, in einer Biographie präsent." (Ulrich Beck, „Vorwort". Perspektiven der Weltgesellschaft, 1998)

Gegenstand einer kultur- und medienwissenschaftlich erweiterten Literaturwissenschaft (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik) sind dabei gleichermaßen Texte, Literatur, Film, Musik, Kunst und Photographie. Entscheidend ist ihr jeweiliger Bezug auf globale Strukturen, auf vielfältige Orte und Kulturen, auf transkulturelle, grenzüberschreitende Phänomene sowie plurale (multipolare) Beobachterperspektiven. Ein weiterer Akzent besteht in der Erforschung der kulturellen Dimension von Globalisierungsprozessen mit Blick auf die angelsächsischen Kulturen, Literaturen und die englische Sprache (USA, GB, Irland, Kanada, Australien, Indien, Karibik, Südafrika etc.) sowie die romanischen Sprachen, Literaturen und Kulturen (Spanien, Portugal, Lateinamerika, USA, Karibik, Afrika, Frankreich, aber auch Asien und die arabische Welt). Darüber hinaus sollen Weltentwürfe (in ästhetischer, theoretischer, utopischer Form) in den verschiedenen Sprach- und Kulturräumen untersucht werden. Ziel der Projekte sollte ausgehend von diesen Objektbereichen die Entwicklung von Modellen sein, mit denen Strukturen, Prozesse, Muster, „Scapes" und „Flüsse" des Globalen beschrieben und analytisch erfasst werden können.

Die Sprach- und Übersetzungswissenschaft entwickelt ein zunehmendes Interesse an einem über die Linguistik hinaus erweiterten Kreolisierungsbegriff, wie ihn Ulf Hannerz seitens der Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie und Karl-Heinz Stoll für die Translatologie konturiert haben. Diese neue Herangehensweise an Kreolisierung erlaubt es nicht nur, Translate literarischer und nichtliterarischer Texte unter dem Blickwinkel der Globalisierung neu zu bewerten, sondern gleichermaßen kommunikative Handlungsmuster und sprachliche Wandeldynamiken hinsichtlich ihrer kulturenübergreifenden, globalen Dimension zu analysieren. Inwieweit dabei auch eine Kritik am „Globalesischen" (Trabant), „McEnglish" (Snell-Hornby), „McSpanish" etc. notwendig ist, lässt sich erst anhand empirischer Studien eruieren. Aus linguistischer Sicht bieten sich demnach vor allem Themen an, bei denen multipolare Beeinflussungsszenarien nachweisbar werden, z.B. weltumspannende intersprachliche und -variationale Wanderungen von Wörtern, Semantiken, morphosyntaktischen Konstruktionen, idiomatischen Wendungen, aber auch von Benennungs- oder textuellen Verarbeitungsmustern, z.B. Produktnamen, Metaphern, Textsorten oder multimodalen Darstellungsformen.

Mögliche Promotionsthemen

  • Repräsentation von Globalisierungsprozessen in Sprache, Literatur und Film
  • Hybridität / Grenzen / Flüsse / Globen als Metaphern für Globalisierung
  • Weltdenken / Denken im Modus des irreduziblen Pluralismus
  • Globale Städte und Weltkultur
  • Übergänge zwischen Empire, (Neo)Kolonialismus und globalen Austauschprozessen
  • Globale Identitäten im Spannungsfeld von race, class und gender
  • America and/in the World
  • Diaspora, Migration, Postmigration in Literatur und Film (Autoren, Konzepte)
  • raum- und medientheoretische Weltmodelle (border thinking, karthographische Imagination, virtuelle Räume u.a.)
  • globale Ordnungsdiskurse der Literatur/ des Films (Francophonie, littérature-monde, third cinema u.a.)
  • Translationsphänomene im globalen Raum
  • Kreolisierung als kulturelle cross-fertilization in Sprache und Text
  • Globale Claims in der Gebrauchstextualität
  • Sprachkritik und Glokalisierung
  • Kontrastive Idiomatik, Lexikologie, Textologie, Onomastik
  • Multimodalität als globales Phänomen
  • Sprachliche Dynamiken globaler Prozesse (Diskurse)
  • Metaphorik und Weltwandel