Christin Kroiher-Schühle

   

Die Öffentlichkeitsarbeit nichtstaatlicher Entwicklungshilfe-Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland 1958-1985

 

Kurzbiographie

  • Geboren 27.06.1983 in Bad Friedrichshall, Baden-Württemberg
  • 2002-2008 Studium der Geschichte mit dem Nebenfach Journalismus und Technik der elektronischen Medien an der Universität Karlsruhe (heute: Karlsruher Institut für Technologie), Abschluss Master of Arts
  • Titel der Masterarbeit: „Claude Lanzmanns ‚Shoah‘ in der Erinnerung der Deutschen an den Holocaust. Die Diskussion in der Presse und die Wirkung des Films auf die Erinnerungskultur der Bundesrepublik Deutschland"
  • 2004-2007 Studentische Hilfskraft bei Prof. Peter Steinbach am Institut für Geschichte der Universität Karlsruhe
  • 2008 Wissenschaftliche Hilfskraft am House of Competence der Universität Karlsruhe
  • 2007/08 Teilnahme am Mark and Gail Appel Program in Holocaust and Antiracism Education "Learning from the Past - Teaching for the Future", Projektstationen: Deutschland, Polen und Kanada
  • Berufspraktische Erfahrungen in den Bereichen: Historisch-politische Bildung, Globales Lernen, Gedenkstätten- und Ausstellungsarbeit, Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit
  • Seit Februar 2010: Stipendiatin des Promotionskollegs 'Formations of the Global'
  • Interessensschwerpunkte:
    • Medien und Geschichte
    • Erinnerungskulturen
    • Nationalsozialismus
    • Holocaust und Genozid Studien
    • Dekolonisierung und postkoloniales Afrika
    • Deutsche Afrikabilder
    • Entwicklungshilfe und Entwicklungspolitik
  • Kontakt: christinkroiher[AT]gmx.de

             


Dissertationsprojekt

Die Öffentlichkeitsarbeit für die „Dritte Welt" gilt als die wohl schwierigste Form der Öffentlichkeitsarbeit. Zum Einen wird hierbei für Verständnis und Solidarität für andere Völker, deren Probleme, Gebräuche und Sitten geworben. Dabei sind die große geografische und kulturelle, aber auch emotionale Entfernung zwischen dem Subjekt, zu dem eine Beziehung hergestellt werden soll, und dem Rezipienten der Kommunikationsmaßnahmen schon für die bloße Gewinnung von Aufmerksamkeit ein Hemmnis. Zum Anderen gilt es das Fortbestehen und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Organisation zu sichern, wozu vornehmlich die Spendenwerbung dient. Entwicklungsbezogene Öffentlichkeitsarbeit verzeichnet somit zwei grundlegende kommunikative Basisfunktionen - Bewusstseinsbildung und Mittelbeschaffung -, die in einem ambivalenten Verhältnis zu einander stehen. Würden Fundraiser letztlich daran gemessen, ob sie Geld beschafften, so sei die Vermittlung eines vorurteilsfreien und wirklichkeitsnahen Bildes entwicklungspolitischer Zusammenhänge erklärtes Ziel der „Informationsarbeiter".

Die geplante Dissertation will diesem Spannungsverhältnis nachspüren und befasst sich mit der historischen Genese entwicklungsbezogener Öffentlichkeitarbeit ausgewählter nichtstaatlicher Organisationen vom Beginn der bundesdeutschen Entwicklungshilfe in den fünfziger Jahren bis in die Mitte der 1980er Jahre. Im Mittelpunkt steht das Verhältnis zwischen der beabsichtigten Aufklärung über die Verhältnisse in Entwicklungsländern und der Notwendigkeit, die Entwicklungstätigkeit sowie die eigene Organisation über Spenden zu finanzieren. Gefragt werden soll, wie sich dieses Verhältnis veränderte. Gab es Spannungen zwischen Bewusstseinsbildung und Fundraising? Wie ließen sich beide Ziele mehr oder weniger gut miteinander verbinden? Auf welche Weise beeinflusste die Öffentlichkeitsarbeit die Entwicklungstätigkeit von nichtstaatlichen Organisationen? Wesentliche Faktoren bilden dabei die sich wandelnden allgemeinen Konzepte der Entwicklungshilfe, die institutionellen Voraussetzungen der beteiligten Organisationen, deren Verhältnis zur staatlichen Entwicklungspolitik und schließlich die Beziehungen zu den Medien.

Betrachtet man den gesamten Untersuchungszeitraum von den späten Fünfzigern bis Mitte der achtziger Jahre lassen sich drei Phasen entwicklungsbezogener Arbeit ausmachen, denen die jeweiligen Organisationen zugeordnet werden können. Zeitlich orientieren sich diese weitestgehend an den „bekannten" Phasen der staatlichen und multilateralen Entwicklungspolitik: die Anfänge in den 1950er und 1960er Jahren, die gesellschaftliche Mobilisierung in den 1960er und 1970er Jahren und die Medialisierung der 1980er Jahre. Es wird zu prüfen sein, ob diese Phaseneinteilung für den Fokus der Untersuchung auf der Öffentlichkeitsarbeit nichtstaatlicher Entwicklungshilfeorganisationen passt.

Die für die Untersuchung ausgewählten Hilfswerke und Initiativen werden als Medienproduzenten bzw. als „Vermittler von Solidaritätsbeziehungen" verstanden, die mithilfe ihrer Mittelbeschaffungsstrategien und Informationsmedien nachhaltig das öffentliche Bild der „Dritten Welt" prägen, indem sie einen semantischen Rahmen zur Strukturierung und Interpretation der „Entwicklungswelten" in Übersee liefern. Die Untersuchung verfolgt somit einen akteurszentrierten Ansatz. Die Akteure werden hier im Gegensatz zu anderen Arbeiten jedoch nicht als Einzelpersonen verstanden, sondern repräsentieren jeweils einzelne Organisationen.

Ausgewählt wurden zunächst zehn Organisationen, die für einzelne Phasen als repräsentativ gelten können und/oder unterschiedliche Typen erfassen, nämlich kirchliche Hilfswerke und verschiedene nichtparteipolitische, nichtkirchliche Organisationen. Alle Organisationen weisen mehr oder minder starke Bezüge zu entwicklungsbezogenen Themen bzw. entwicklungsbezogener Arbeit auf. Zentrale Auswahlkriterien waren demnach: Die Organisationen besitzen einen (Haupt-)Sitz in Deutschland, sind bundesweit tätig und haben einen konkreten Bezug zur entwicklungsbezogener Arbeit. Neben Organisationen, die selbst internationale Projekte im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit betreuen, sind hier zudem Menschenrechtsinitiativen und aufklärungsorientierte Organisationen zu nennen, die als Ziele ihrer Arbeit vornehmlich einen Bewusstseinswandel in den Gebergesellschaften fokussieren. Letztes und wichtigstes Kriterium bestand jedoch mit Verweis auf die Fragestellung der Arbeit in der Tatsache, dass sich die Organisationen (zumindest teilweise) aus Spenden finanzieren.

Das gesamte Untersuchungssample setzt sich folglich aus zehn Akteuren zusammen, die zudem bestimmte Phasen und Varianten des entwicklungspolitischen Diskurses in der Bundesrepublik widerspiegeln. Dies sind die Organisationen in der Reihenfolge ihrer Gründung: MISEREOR (1958), BROT FÜR DIE WELT (1959), TERRE DES HOMMES Deutschland (1967), GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER (1970), INFORMATIONSZENTRUM 3. WELT (1970), WORLD VISION Deutschland (1979), TERRE DES FEMMES (1981), MENSCHEN FÜR MENSCHEN (1981).

    

Veröffentlichungen

  • Die NS-Führung im Verhör. 8 CDs: Original-Tondokumente aus den Nürnberger Prozessen (Audio CD), Berlin 2006 (Mitarbeit)
  • Geschichte zum Hören: Regime unter dem Hakenkreuz, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Berlin 2006 (Mitarbeit)