Dr. Dominik Schreiber

  

Narrative der Globalisierung. Gerechtigkeit und Konkurrenz in faktualen und fiktionalen Erzählungen.

 

Kurzbiographie

  • Geboren 1978 in Münster
  • 1998-2006: Studium der Deutschen Philologie, Politikwissenschaft und Soziologie an der Wesfälischen Wilhelms-Universität Münster
  • Titel der Magisterarbeit: "Beobachtete Literatur. Systemtheorie als literaturwissenschaftliche Reflexionstheorie"
  • 2003-2004: Auslandsaufenthalt an der Universitá degli studi di Bergamo in Italien
  • 2004-2006: Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl von Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf
  • 09-11/2006: Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl von Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf, Abteilung Neuere deutsche Literatur, Germanistisches Institut, WWU Münster, zuständig für das E-Learning-Projekt "ProLit"
  • 2007-2010: Stipendiat des Promotionskollegs "Formations of the Global"
  • 2008-2009: Lehraufträge am Seminar für Deutsche Philologie der Universität Mannheim

    seit 10/2013: Mitarbeiter (Post-Doc) beim Research und Study Centre (RSC) "Dynamics of Change" der Philosophischen Fakultät der Universität Mannheim - Forschergruppe: Kulturen der Nachhaltigkeit (Cultures of Sustainability).
  • 2015: Veröffentlichung der Dissertationsschrift "Narrative der Globalisierung. Gerechtigkeit und Konkurrenz in faktualen und fiktionalen Erzählungen" beim Springer Verlag, Wiesbaden.
  • Kontakt: dominik.schreiber[at]uni-mannheim.de


 

Dissertationsprojekt

Den Ausgangspunkt des Projekts bildet die auffällige Beobachtung, dass die weitläufigen aktuellen Diskussionen über Globalisierung vornehmlich in einem narrativen Modus geführt werden. Diese so genannten faktualen Erzählungen treten mit dem (normativen) Anspruch auf, die Wahrheit über die ‚reale' Welt zu verkünden.

Man sieht folglich, dass mit dem von Jean-François Lyotard diagnostiziertem Ende der Großen Erzählungen mitnichten eine Diskreditierung oder gar ein Verschwinden narrativer kultureller Praktiken verbunden sind. Nach wie vor nimmt das Narrative eine wichtige Stellung in Kultur und Gesellschaft ein: „[Es macht] ein vorrangiges Reservoir unseres kulturellen Gepäcks [aus], welches uns dazu befähigt, aus einer chaotischen Welt und den in ihr stattfindenden unverständlichen Ereignissen Sinn herauszuholen." (Bal 2002: S. 9). Angesichts der Komplexität und Unüberschaubarkeit der mit dem Etikett ‚Globalisierung' versehenen Prozesse und ihrer Reichweite bis in die menschlichen Alltagssphären hinein ist der Rückgriff auf narrative Konstruktionen zur Erklärung der Welt mehr als verständlich.

Die Produktion dieser sinnhaften Erzählungen über die Globalisierung ist in vollem Gange: In öffentlichen, politischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Zusammenhängen ist ein regelrechter Kampf einer Vielzahl sich widerstreitender Positionen entbrannt, so dass sich die Frage stellt, ob wir der Konstitutionsphase einer neuen Mega-Erzählung beiwohnen, welche eine zuvor nie da gewesene globale hegemoniale Deutungshoheit erlangen wird.

Ausgehend von dieser Fragestellung strebt das Dissertationsprojekt eine Untersuchung der narrativen Strukturen des Globalisierungsdiskurses an. In formaler und inhaltlicher Hinsicht sollen die textlichen Verfahrensweisen der Erzählungen von der globalisierten Welt analysiert werden.

Das zu untersuchende Material bilden hauptsächlich Texte wie publizistische Sachbücher, (populär-)wissenschaftliche Abhandlungen, politische Schriften und wirtschaftsanalytische Publikationen.

Diese Erzählungen sollen hinsichtlich ihrer Funktionsweisen, Argumentationslogiken und subtilen Machtmechanismen analysiert werden. Es ergeben sich folgende Fragen: Welche ideologischen Vorstellungen liegen den diversen Perspektivierungen der Globalisierung zugrunde? Wie werden die Erzählinstanzen aufgebaut und mit Autorität ausgestattet? Tritt der Erzähler hervor oder bleibt er unpersönlich? Welchen narrativen Spannungsbögen folgen die Erzählungen? Welche Art des impliziten Lesers wird konstituiert und welche Appelle richten sich an ihn? Reagieren die Texte strukturell auf mit der Globalisierung verbundene Phänomene wie die Beschleunigung oder die Schrumpfung von Raum und Zeit? Lassen sich Spuren dieser Prozesse in den narrativen Strukturen der Texte, wie etwa der chronologischen Ordnung, der Schnelligkeit, der Frequenz oder dem Verhältnis von erzählter Zeit und Erzählzeit finden? Welche Metaphern werden in den Texten verwendet?

Neben der Seite der faktualen Erzählungen ist weiterhin geplant, den Umgang literarischer Texte mit der Globalisierung zu untersuchen. In der zeitgenössischen Literatur findet sich eine Fülle von Tendenzen, die sich der Auseinandersetzung mit der Globalisierung zuordnen lassen. Im Kontext des vorliegenden Projekts sind solche Texte von Bedeutung, die mit den analysierten faktualen Erzählungen verglichen werden können. Hierbei gilt es, die spezifischen poetologischen und narrativen Verfahrensweisen der literarischen Texte und ihre Perspektivierungen der Globalisierung zu erforschen und den faktualen Erzählungen gegenüberzustellen. Darüber hinaus sollen auch das subversive Potential und die Fähigkeit der Literatur, auf struktureller Ebene Einblicke in die Funktionsweisen der Globalisierung zu gewähren, ausgelotet werden.

 

Publikationen

  • "Literarische Kommunikation. Zur rekursiven Operativität des Literatursystems". In: Textpraxis 1 (1.2010).
  • "Einschluss und imaginative Fluchtstrategien - Stefan Zweigs Schachnovelle und Alessandro Bariccos Novecento im intertextuellen Vergleich." In: Schreiber, Dominik u.a. (Hg.): Weiter-Denken. Literatur- und kulturwissenschaftliche Streifzüge im Zeichen der Transgression. Christa Karpenstein-Eßbach zum 60. Geburtstag. Berlin 2011, S.101-124.

 
 

Herausgeberschaft

  • "Weiter-Denken. Literatur- und kulturwissenschaftliche Streifzüge im Zeichen der Transgression. Christa Karpenstein-Eßbach zum 60. Geburtstag." Berlin 2011. (zusammen mit Il-Tschung Lim, Martin Odermatt, Anika Skotak, Nadja J. Urbani und Constantin Weber)