Ines Bugert

Entwürfe maghrebinischer Autorschaft im globalen literarischen Feld

Kurzbiographie

  • Geboren 1987 in Lampertheim
  • 2006-2012: Studium der Germanistik, Anglistik/Amerikanistik und 2007-2012 Studium der Romanistik (Französisch) an der Universität Mannheim
  • Herbst 2009: Gastsemester an der University of Oregon in Eugene, Oregon (USA)
  • 2012: Wissenschaftliche Arbeit im Fach Germanistik zum Thema „Zwischen bestem Freund des Menschen und teuflischer Bestie - Der Hund in ausgewählten Werken deutschsprachiger Literatur (Goethe, Grass, Fontane, Mann)"
  • 2012: 1. Staatsexamen in den Fächern Germanistik, Anglistik/Amerikanistik und Romanistik (Französisch)
  • Seit August 2012: wissenschaftliche Hilfskraft in der Abteilung für Literatur- und Medienwissenschaft des Romanischen Seminars der Universität Mannheim bei Prof. Dr. Claudia Gronemann
  • Seit November 2012: Stipendiatin des Promotionskollegs „Formations of the Global"
  • Kontakt: ibugert[at]mail.uni-mannheim.de

Dissertationsprojekt

Ziel meines Projektes ist es, unterschiedliche Entwürfe maghrebinischer Autorschaft am Beispiel ausgewählter AutorInnen vor dem Hintergrund eines globalen literarischen Feldes zu analysieren. Maghrebinische Autorschaft soll als komplexer Diskurs verstanden werden, der sich auf unterschiedlichen Ebenen (der literarischen, der literarturwissenschaftlichen sowie der medialen Ebene) herausbildet. Die Arbeit gliedert sich in einen theoretischen Teil, der die Grundlage für die anschließende literarische Analyse bildet und einen Analyseteil, in dem beispielhaft einzelne Fallstudien globalisierender maghrebinischer Autorschaft vorgestellt werden sollen.

Als wichtige theoretische Grundlagen der Arbeit dienen u.a. Bourdieus Theorie des „literarischen Feldes", sowie Pascale Casanovas Theorie der „République mondiale des Lettres". Bourdieus Feldtheorie ermöglicht es, alle Institutionen, die an der Herstellung, Bewertung und Verbreitung (maghrebinischer) Literatur beteiligt sind, mit in die Analyse einzuschließen, Autorschaft also als komplexen Diskurs zu betrachten, an dessen Generierung verschiedene Instanzen beteiligt sind. Damit sind nicht nur LeserInnen und AutorInnen gemeint, die in literarischen und metaliterarischen Diskursen Stellung beziehen, sondern gleichermaßen Agenturen, Verlage, Buchhandlungen, Literaturhäuser, literarische Gesellschaften und Bibliotheken. Die einzelnen Akteure, d.h. die Vertreter der genannten Institutionen sowie AutorInnen und LeserInnen verfolgen jeweils eigene Interessen, die in das Gesamtkonstrukt „Maghrebinischer Autorschaft" einfließen. Diesbezüglich versteht sich die Arbeit nicht als empirische Studie mit dem Anspruch der allumfassenden Beschreibung des literarischen Feldes am Beispiel einzelner AutorInnen, sondern vielmehr als exemplarische Beschreibung verschiedener Entwürfe maghrebinischer Autorschaft innerhalb des champ littéraire, das als Referenzpunkt der Analyse dient.

Casanovas Konzept der „République mondiale des lettres" stellt auf theoretischer Ebene die Anbindung an den Globalisierungsdiskurs her, indem sie eine globale Konzeption des literarischen Feldes entwickelt. Sie bietet ein Modell mit dem die Produktion, Verbreitung und Bewertung unterschiedlicher Literaturen im Spannungsfeld zwischen Zentrum und Peripherie auf globaler Ebene beschrieben werden kann. Casanova wendet sich gegen eine monadische Literaturkritik und berücksichtigt die Interdependenzen zwischen (National-)Literaturen, indem sie die Regeln und Mechanismen, die in der „République mondiale des lettres" herrschen, offenlegt und bei der literarischen Interpretation anwendet.

Im 2. Teil des theoretischen Kapitels sollen die am Konstrukt Maghrebinischer Autorschaft beteiligten Akteure vorgestellt und deren diskursive, global bzw. anti-global ausgreifende Strategien erläutert werden. Es soll stets berücksichtigt werden, wo bestimmte Diskurse (z.B. Etikettierungsversuche) entstehen, welches Ziel sie verfolgen und inwiefern sie mit Diskursen anderer Akteure konkurrieren bzw. im Konflikt stehen. Neben der Berücksichtigung interessengeleiteter literaturwissenschaftlicher Konzepte und Theorien zur Beschreibung von maghrebinischer Autorschaft und der Reflexion des jeweiligen Entstehungskontextes sowie deren Auswirkung auf die Rezeption maghrebinischer Literatur soll ein besonderer Schwerpunkt auf den Möglichkeiten liegen, die sich durch die Nutzung der Medien ergeben. So stehen die Vermarktungsinteressen und -Strategien der Verlage, die sich an verkaufsfördernden Aspekten orientieren und so bisweilen nicht den literarischen Wert, sondern vielmehr den dokumentarischen Charakter einzelner Werke betonen, häufig im Kontrast zu den metaliterarischen Stellungsnahmen der AutorInnen, die u.a. in Interviews, Blogs, Fernseh- und Radioauftritten ein Bild globaler Autorschaft entwerfen.

Das medienwirksame Manifest „Pour une littérature monde en français", das am Ende des Abschnitts besprochen werden soll und die Schnittstelle zwischen literaturwissenschaftlichen Diskursen und den Selbstdiskursen einzelner AutorInnen darstellt, leitet zum nächsten Abschnitt über, der die literarischen und metaliterarischen Diskurse einzelner ausgewählter maghrebinischer Autoren thematisiert. Das 2007 erschienene und von 44 AutorInnen unterschriebene Manifest kritisiert die Subsumierung maghrebinischer AutorInnen unter sprachlichen Aspekten sowie eine eurozentristisch-diskriminierende Rezeptionsperspektive und plädiert für eine transnationale französischsprachige Weltliteratur, die sich von Europa als Zentrum löst. Dennoch kann hier noch von keiner „Weltliteratur" gesprochen werden, da frankophone Literatur zwar aus ihrem peripheren Status tritt, sich jedoch immer noch über sprachliche Kriterien definiert, also nicht „transnational" gedacht werden kann. Das Manifest soll als subjektives, literaturpolitisches Instrument der Autoren, welches auf literaturwissenschaftliche Modelle Bezug nimmt reflektiert und mit Veröffentlichungen, die dem Konzept kritisch gegenüberstehen, konfrontiert werden.

Im anschließenden Analyseteil der Arbeit soll beispielhaft gezeigt werden, was die ausgewählten AutorInnen unter „globalisierender Autorschaft" verstehen, bzw. wie sich die SchriftstellerInnen als AutorInnen von „Weltliteratur" inszenieren. Die Auswahl der AutorInnen ist bewusst breit angelegt und umfasst männliche und weibliche AutorInnen mit unterschiedlichen Bekanntheitsgraden, die sowohl im Heimatland wie auch im Exil leben und sich durch ihre unterschiedlichen diskursiven Strategien unterscheiden, mit denen sie sich literarisch in globale Kontexte einschreiben und außerliterarisch als „globale AutorInnen" inszenieren.

Globalisierende Autorschaft soll insgesamt nicht an den größten Auflagezahlen bzw. der Übersetzung der Werke in möglichst viele Sprachen festgemacht werden. Auch geht es nicht darum, sich von der Ursprungsregion thematisch vollständig zu lösen, sondern vielmehr darum, die regionale mit der globalen Perspektive zu vereinen und so eine polyzentrische Weltsicht einzunehmen. Maghrebinische AutorInnen, die sich in globale Diskurse einschreiben, stellen ihren Ursprung in einen globalen Kontext, sprengen nationale Diskurse auf und lösen sich diskursiv von einer zentralen Verankerung. Übergeordnetes Ziel der Analyse ist es, die unterschiedlichen global ausgreifenden Diskurse der AutorInnen in ihrer Verschiedenheit zu erfassen.

 




Publikationen:

„Ricarda Bienbeck: Zwischen traditioneller Repräsentation und ästhetischer Distanzierung: Das Werk der Algerierin Maïssa Bey“, in: Germanisch-Romanischen Monatsschrift 64, 2014, 125-128. (Rezension)

„Un auteur algérien en dialogue avec les fantômes littéraires: L’Imposture des Mots (2002) de Yasmina Khadra“, in: Revue Ponti/Ponts. Langues littératures civilisations des Pays francophones 2014, 33-59.

„’L’Algérie est un homme’ – Le double conflit de l‘identité sexuelle et nationale dans Garçon manqué de Nina Bouraoui“, in: Sonia Zlitni Fitouri/Claudia Gronemann (Hrsg.): Poétiques du corps et du genre (im Druck).

„Entre discours nationaliste et universaliste. Conceptions de l’auteur maghrébin dans Apulée, mon éditrice et moi de Kebir Ammi“, in: Anouar Ouyachchi, Khalid Zekri (Hrsg.): La littérature-monde: fin des littératures nationales? Paris: L’Harmattan (in Vorbereitung).

„Strategies of authorial self-fashioning in literary discourse (Kebir Ammi, Yasmina Khadra, Assia Djebar)”, in: Sarah Burnautzki, Frederik Kiparski, Raphael Thierry, Maria Zannini(Hrsg.): Dealing with Authorship. Authors between Texts, Editors and public Discourses. Newcaslte up on Tyne: Cambridge Scholars Publishing (in Vorbereitung).

Lehrveranstaltungen

FSS 2015        Masterseminar „Réécritures postcoloniales de l’Histoire: l’œuvre romanesque de Kébir Ammi“
                          Leitung zusammen mit Prof. Dr. Claudia Gronemann