Kerstin Reibold

Indigene Völker in einer globalisierten Welt - Indigene Ansprüche auf Landrechte im Kontext globaler Gerechtigkeit


Kurzbiographie

  • hat Philosophie, Politikwissenschaften und Germanistik an der Universität Mannheim und Universität Heidelberg studiert

  • Studienaufenthalte an der Univesrity of Essex und dem Centre for the Study of Mind in Nature, Universtity of Oslo

  • seit September 2013 Stipendiatin des Promotionskollegs "Formations of the Global"
  • Kontakt: ksreibold[at]web.de

 

 


Dissertationsprojekt

Landrechte haben sich in den vergangenen Jahrzehnten als einer der Dreh- und Angelpunkte für Rechte indigener Völker erwiesen. Dies liegt einerseits darin begründet, dass sie in vielerlei Hinsicht zentral sind für die Ausübung weiterer Rechte indigener Völker, wie z.B. kulturelle Autonomie und wirtschaftliche Selbstbestimmung, sind (siehe z.B. Eide). Darüber hinaus besitzen sie auch eine symbolische Komponente, indem die sie umgebenden Konflikte eine heute noch fassbare, andauernde Folge des Kolonialismus sind und in vielerlei Hinsicht mit der Identität, Geschichte und Religion indigener Völker verbunden sind. Andererseits hat die Rechtfertigung von Landrechten eine besondere Dringlichkeit erhalten, da ihre Gewährleistung sowohl durch Interessen staatlicher und wirtschaftlicher Akteure eingeschränkt wurde/ wird als auch ihre normative Berechtigung im Kontext von Überlegungen zu globaler Gerechtigkeit zunehmend infrage gestellt wurden (siehe bspw. Pogge, Armstrong, Mancilla). Traditionelle Begründungen von Landrechten indigener Völker haben sich in dreierlei Hinsicht als ungeeignet erwiesen, eine solide Fundierung indigener Landrechten im Kontext einer globalisierten Welt zu geben:

Ansätze, die sich vornehmlich auf die Wiedergutmachung historischen Unrechts beziehen, haben keine Erwiderung auf Einwände globaler Gerechtigkeitstheoretiker, die zugunsten einer egalitäreren und/ oder bedürfnisorientierteren Verteilung die Zuerkennung absoluter Landrechte kritisieren (bspw. Waldron, Angell). Theorien, die argumentieren, dass der Erhalt einer Kultur notwendig für die Ausübung und Förderung der persönlichen Autonomie ihrer Mitglieder ist (z.B. Kymlicka), sehen sich zweierlei Problemen gegenüber: Erstens sind in diesem Rahmen nur Gruppen schützenswert, die die persönliche Autonomie ihrer Mitglieder fördern - was keinesfalls auf alle indigenen Völker zutrifft -; zweitens wird vorausgesetzt, dass die Gruppe, die die (Land-)Rechte fordert, eine stark unterschiedliche Kultur im Vergleich zu der vorherrschenden Hauptkultur des Landes hat. Letzteres kann jedoch nicht bei allen indigenen Völkern vorausgesetzt werden, da viele Völker durch Zwangsmaßnahmen zur Assimilation gezwungen wurden oder sich freiwillig der herrschenden Kultur angenähert haben.

Ziel meines Projektes ist es, eine der heutigen Situation indigener Völker angemessene Rechtfertigung von Landrechten zu finden. Ausgehend von der Rawlsschen Grundthese, dass Selbstachtung das wichtigste Gut in einer gerechten Gesellschaft ist, werde ich untersuchen, inwiefern die Gewährung von Landrechten Grundlage für die Ausbildung von Selbstachtung ist. Hierbei wird auch zu analysieren sein, welche unterschiedlichen ökonomischen und symbolischen Aspekte Landbesitz und Landrechte haben, und wie sich diese in den heutigen Rechtfertigungsdiskursen zueinander verhalten. Dabei wird ein besonderes Augenmerk darauf liegen, wie heute dominante Wert- und Diskursstrukturen Rechten und Weltsichten indigener Völker entgegenkommen bzw. entgegenstehen und wie dem zu begegnen ist.

Literatur

Armstrong, Chris (2013): Justice and attachment to natural resources. Journal of Political Philosophy, n/a, 1-18.
Armstrong, Chris (2013): Resources, rights and global justice: a response to Kolers. Political Studies.
Eide, Asbjørn (2008): Rights of indigenous peoples - achievements in international law during the last quarter of a century. In: D. M. Curtin & P. A. Nollkaemper (ed.), Netherlands Yearbook of International Law 2006. Cambridge University Press, hier insbesondere Kapitel 4, pp. 155-212.
Føllesdal, Andreas (2004): The Special Claims of Indigenous Minorities to Corrective Justice. In: Lukas H. Meyer, ed., Justice in Time: Responding to Historical Injustice. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, pp. 339-353.
Kymlicka, Will. Multicultural Citizenship: A Liberal Theory of Minority Rights. Clarendon Press, Oxford, 1995.
Waldron, Jeremy: Superseding Historic Injustice. In: Ethics, Vol. 103, No. 1 (Oct., 1992), pp. 4-28. Published by: The University of Chicago Press.