"Possessing Women's Faces" - Vortrag und Lesung von Brenda Flanagan

18. Mai 2011 / Fuchs-Petrolub-Saal, Schloss O138 / Beginn 18:30 Uhr

Karibische Literatur erfährt, abgesehen von einigen Ausnahmen, in unseren Breiten noch immer keine breite Rezeption seitens des Lesepublikums. Ab und an lassen sich internationale Erfolge verzeichnen, die dann auch auf Deutsch erscheinen - in den letzten Jahren etwa Junot Díaz' Roman Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao, für den er 2008 den Pulitzerpreis erhielt.

Häufig findet die Literatur der Antillen ihren Weg zu uns aber nicht, was zu bedauern ist, denn die Karibik ist bekanntlich eine kulturell sehr vielfältige Region. Schon bedingt durch ihre geographische Lage treffen dort seit jeher Einflüsse aus aller Welt aufeinander, was sich auch im literarischen Schaffen ihrer Autoren zeigt.

Umso mehr freuen wir uns, dass wir am 18. Mai 2011 die aus Trinidad und Tobago stammende Autorin Brenda Flanagan bei uns begrüßen durften. Frau Flanagan, die auch als Kulturbotschafterin für das U.S.-Außenministerium tätig ist, griff in ihrem Vortrag „Possessing Women's Faces" die genannten Einflüsse auf, indem sie erörterte, wie die Gesichter von Frauen aus aller Welt Eingang in ihre Kurzgeschichten finden.

Im Anschluss an den Kurzvortrag las Frau Flanagan aus einigen dieser Geschichten und stand dann für Fragen aller Art zur Verfügung. Die Veranstaltung bot später auch Gelegenheit, sich bei einem Glas Wein auszutauschen und einen Eindruck von dem Gesamtwerk der Autorin zu verschaffen. Ein Büchertisch hielt Exemplare aller ihrer bislang erschienen Romane und Kurzgeschichten zum Verkauf bereit.

Unser herzlicher Dank gilt Absolventum und Bücher Bender für ihre Unterstützung der Veranstaltung.

 
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Über die Autorin

Brenda Flanagan wird als zwölftes von vierzehn Kindern in Trinidad geboren. Der Vater arbeitet als Barmann, die Mutter als Wäscherin. Ihr Schulgeld verdient sie sich zum Teil selbst mit dem Singen von Calypsos. Schon mit zehn Jahren beginnt sie Gedichte zu schreiben und schickt diese an verschiedene Zeitungen.

Als sie die Schule beendet, nimmt sie zunächst Arbeit in einer Fabrik an. Sie hat Glück - ihr ehemaliger Schulleiter übernimmt eine Stelle bei Nation, der Zeitung der People's National Movement Party. Er setzt sich zum Ziel, sie zur Reporterin auszubilden, und so beginnt sie mit nur fünfzehn Jahren einen neuen Lebensabschnitt. Die Partei ist damals noch an der Regierung und so erlangt Brenda nicht nur früh Einblicke in die Politik des Landes, sondern kann auch an mehreren Reisen mit dem Premierminister ins Ausland teilnehmen. Auf diese Weise begegnet sie vielen (politischen) Größen der Zeit, wie etwa Haile Selassie.

Mit achtzehn Jahren kommt sie 1967 in die USA mit dem Ziel, zu studieren. Doch zunächst kommt alles ganz anders. Sie arbeitet als Hausangestellte in New York, wo sie ihren Mann kennenlernt. Sie heiratet, bekommt Kinder und zieht mit ihrer Familie nach Arkansas. Erst im Alter von 25 Jahren und mittlerweile alleinerziehend, beginnt Brenda Flanagan ihr Studium an der University of Michigan, Ann Arbor, das sie mit einem Ph.D. abschließt.

Heute unterrichtet Brenda Flanagan Creative Writing sowie karibische und afroamerikanische Literatur am Davidson College in North Carolina. Als Kulturbotschafterin des US-Außenministeriums hat sie mittlerweile Länder rund um den Globus bereist, darunter Chile, Indien, Marokko und den Tschad. Ihr schriftstellerisches Werk umfasst zwei Romane und eine Sammlung von Kurzgeschichten und hat ihr zahlreiche Preise eingebracht. Ein dritter Roman ist derzeit in Arbeit.


Belletristische Werke:

2009: Allah in the Islands (Peepal Tree Press) [Roman]
2005: In Praise of Island Women & Crimes (KaRu Press) [Kurzgeschichten]
1996: You Alone Are Dancing (The University of Michigan) [Roman]


Ausschnitte der Kurzgeschichte "Snakes":

When my mother was in her late 50s and I was old enough to remember fear, a woman wise beyond our seasons told her that she would die from a snake's bite. Around this woman's right wrist was tattooed a ring of tiger wire, and in her face were deep gorges that told of her indenture. As a girl, she had come from India across rough waters to Trinidad to work in the cane fields of Couva. [...]

My mother relayed this prophecy of her death, pleased, I suspected, that it contradicted her own suspicion that she would die of pleurisy, a fate her own mother suffered after being drenched in dew. [...]

Terrified at the thought of my mother's death, I guarded her closely, giving up my interest in boys with whom I played hide-and-seek; fighting sleep, wishing I could prop open my eyes to watch her as she pressed clothes until two or three in the morning. Sleep would eventually overcome my vigilance, and my mother would place the iron on a pad so she could carry me to my cot. [...]

Years passed. My sister Velma and I went to America. To celebrate Velma's graduation from medical school, I invited my mother to join us in New York. On the long list of reasons that I had prepared in defense of the safety of flying was that America had landed a man on the moon. My mother wrote back that she would never believe that a human being had set foot on the moon, but she was proud of her girl-child, she would get on a plane. On the day she was to arrive, the plane emptied and she did not appear...

Copyright (c) 2011 Brenda Flanagan